Mir stinkt's - Nitrat in der Landwirtschaft

Was früher halb ironisch "frische Landluft" genannt wurde, sorgt heute bei Anwohnern von landwirtschaftlichen Flächen für Ärger. "Gülle stinkt und verunreinigt das Grundwasser", bekommen Landwirte häufig zu hören.

Ist die Furcht vor Nitrat im Grundwasser berechtigt oder grundlos?

Wirtschaftliche Aspekte

Eine Überdüngung, also mehr organischen oder Mineraldünger auszubringen als die Pflanzen benötigen, ist schon aus wirtschaftlicher Sicht unsinnig. Denn beides kostet den Landwirt viel Geld. Die in Deutschland produzierten Mengen an organischem Dünger können den Nährstoffbedarf der Pflanzen nicht decken. Er muss also auf jeden Fall zusätzlich teuren Mineraldünger einsetzen. Daher kommt für ihn ein „unkontrolliertes“ Ausbringen von organischem Dünger (Gülle) in großen Mengen schon aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten eigentlich nicht infrage. Zudem versteht es sich von selbst, dass die Landwirte mit den Böden als ihrem wichtigsten Gut zur Produktion von Lebensmitteln gewissenhaft und pfleglich umgehen.

Probleme gibt es in Regionen mit intensiver Tierhaltung, wo nicht genügend landwirtschaftlich genutzte Flächen zum Ausbringen der Gülle zur Verfügung stehen, das Aufkommen an organischem Dünger also höher ist als der
Nährstoffbedarf der dort angebauten Pflanzen. Die wertvolle Gülle wird dann in Regionen verbracht, wo aufgrund fehlender Viehhaltung Bedarf besteht. Der Transport ist allerdings aufwendig und teuer. Zum Teil bezahlen die Abnehmer die Kosten, zum Teil diejenigen, bei denen die Gülle anfällt. Es besteht ein Verteilproblem, denn insgesamt wird in ganz Deutschland weniger Gülle produziert als Bedarf besteht. Dieses Defizit wird mit dem Einsatz von Mineraldünger ausgeglichen.

Gewässerschonende Düngung mit Gülle durch die KLWB

Die Kooperation Landwirtschaft, Wasser und Boden im Rhein-Sieg-Kreis (KLWB) berät Landwirte in den Wasserschutzgebieten des Wahnbachtalsperrenverbandes zum optimalen Einsatz von Mineral- und Wirtschaftsdünger. Hierzu werden vom KLWB durch fahrbare Bodenprobenentnahmegeräte ganzjährig Bodenproben entnommen. Die Analysenergebnisse sind die Grundlage für die weitere Düngung. Für jedes Feld und jede Boden- und Kulturart wird die für ein ausreichendes Pflanzenwachstum benötigte Düngemenge exakt bestimmt. Dabei werden die Nährstoffe aus Wirtschaftsdüngern genauso wie aus anderen Nährstoffquellen berücksichtigt.


Durch den Einsatz unseres Gülleausbringers mit Schlitztechnik wird die Gülle vom KLWB zum richtigen Zeitpunkt, also dann, wenn Pflanzen die Nährstoffe zum Wachstum benötigen, auf Äckern und Wiesen ausgebracht. Durch die moderne Ausbringungstechnik kann die Gülle emissions- und geruchsarm in den Boden eingearbeitet werden und steht den Pflanzenwurzeln direkt zur Verfügung und garantiert eine bestmögliche Stickstoffaufnahme. Das
bedeutet letztendlich auch aktiven Gewässerschutz.

Einsatz von Mineraldünger und organischem Dünger

Mineraldünger ist teuer und wird unter großem Energieverbrauch hergestellt. Sein Vorteil: Nitrat kann ganz gezielt den Pflanzen bedarfsgerecht zugeführt werden,
die es sofort aufnehmen.
Organischer Dünger ist günstig, seine Wirksamkeit aber witterungsabhängig. Die Kunst in der biologischen wie konventionellen Landwirtschaft besteht somit darin,
bedarfsgerecht zu düngen. Das kann man allerdings nicht nach einer mathematischen Formel. Eine optimale Düngung hängt vom jeweiligen Ertragspotenzial der Fläche, der darauf wachsenden Pflanzenart, dem Zeitpunkt der Ausbringung des Düngers und vor allem von der Witterung im Laufe der Vegetationsperiode ab. Die ist aber nicht vorhersehbar und zu steuern. Daher
ist eine Nitratverlagerung schon einmal möglich, selbst wenn der Landwirt gesetzeskonform nicht mehr als 170 kg Stickstoff pro Hektar Fläche ausgebracht hat. Der Stickstoffgehalt von Gülle (NH4, Nog) und Boden (NH4, NO3) wird übrigens vor jeder Ausbringung exakt gemessen.

Auch auf der Seite der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen haben Sie die Möglichkeit sich über Vorteile, Technik oder Vorschriften, die die Landwirte beachten müssen, zu informieren. Dort finden Sie auch die richtigen Ansprechpartner, wenn Sie der Meinung sind, dass zu viel oder zum falschen Zeitpunkt Gülle ausgebracht wird.